Zurück in den Betrieb: Diese Punkte sollten Sie beachten

Mann mit Plan in Firma

Zurück in den Betrieb: Diese Punkte sollten Sie beachten

Mussten Sie wegen Corona Ihren Betrieb schliessen oder sich ins Homeoffice zurückziehen? Mit diesen Tipps gelingt der Wiedereinstieg ohne Zwischenfälle.

Sich vor Ort ein Bild machen

Machen Sie einen Rundgang über Ihr Betriebs­gelände und nehmen Sie Ihr Gebäude in Augenschein. Folgende Themen sollten Sie überprüfen:

  • Weisen die Aussentüren oder die Fenster Spuren von Einbruch­versuchen auf?
  • Kam es in der Abwesenheit zu Vandalismus, sehen Sie eingeschlagene Fenster oder Graffiti?
  • Ist durch offene oder beschädigte Dachfenster Wasser eingetreten? Sind Wasser­leitungen geplatzt oder kam es zu einem Wasser­schaden im Keller?
  • Sind die Bestände im Aussen­lager noch vollständig oder könnte etwas gestohlen sein?
  • Falls Sie Solarzellen oder Solarthermie-­Anlagen auf dem Dach haben: Sind sie noch heil?
  • Sind alle Kameras der Videoüberwachung funktionstüchtig, stimmen Sichtfeld, Fokus und Schärfe­einstellungen? 
  • Ist eine Reinigung der Innen­räume notwendig, bevor Sie den Betrieb wiederauf­nehmen können?
  • Wird Trinkwasser im Gebäude genutzt? Bei abgestandenem Leitungs­wasser können sich Keime bilden, insbesondere Legionellen können gefährlich sein. Lassen Sie deshalb vor der ersten Nutzung einige Minuten das Wasser laufen, idealerweise sogar zweimal pro Woche während des Betriebs­unterbruchs. Auch über Luftbefeuchter oder Klima­anlagen könnten die Keime übertragen werden. Klären Sie allenfalls mit dem Hersteller oder Reparatur­betrieben, ob Handlungs­bedarf besteht, z.B. für eine Desinfektion.

Den Start vorbereiten

Bringen Sie Ihre Infrastruktur in nützlicher Frist wieder in den Betriebsmodus – ohne dass dabei Maschinen oder Systeme Schaden nehmen.

  • Nehmen Sie vor der Inbetrieb­nahme routinemässige Inspektionen vor und dokumentieren Sie diese, um die Funktions­tüchtigkeit von Maschinen sicherzustellen: Funktionieren noch alle Dichtungen? Sind Kühlflüssig­keiten noch ausreichend gemischt? Werden die Mindest­füllmengen erreicht?
  • Funktionieren alle Stromleitungen und Sicherungen fehlerfrei?
  • Verfügen alle benzin­betriebenen Fahrzeuge über ausreichend Treibstoff und Motorenöl? Sind Lichter und Bremssysteme funktionsfähig?
  • Halten Sie sich an die Anweisungen des Hersteller­handbuchs, bevor Sie Maschinen wieder in Betrieb nehmen. Oft müssen Sie bestimmte Abläufe beachten, damit kein Schaden entstehen kann. Allenfalls kann ein Techniker Sie unterstützen. 
  • Achten Sie darauf, dass bei Öl-, Schmier- und Wasser­kreisläufen die notwendige Betriebstemperatur erreicht ist, bevor Sie die Produktion aufnehmen. 
  • Kommt es bei der Wieder­inbetrieb­nahme zu unüblichen Geräuschen oder Gerüchen, zu ungewöhnlicher Hitze­entwicklung oder Vibrationen an Maschinen? Unterbrechen Sie den Startvorgang, fahren Sie das System herunter und lassen Sie einen Spezialisten kommen, um den Fehler zu finden.
  • In manchen Situationen müssen die Behörden informiert werden, dass Sie wieder grössere Mengen Wasser oder Strom benötigen bzw. wieder grössere Mengen Abwasser zur Klärung abgegeben werden.

Wenn Sie wieder produktiv sind

Nachdem die Produktion wochenlang unterbrochen war, möchten Sie die Produktionsrückstände und Umsatzeinbussen wahrscheinlich möglichst schnell ausgleichen. 

  • Möchten Sie zusätzliche Schichten fahren? Tragen Sie Ihren Mitarbeitenden Sorge: Ein abrupter Wechsel, etwa von Kurzarbeit auf Zusatzschichten, ist körperlich und emotional anstrengend. Erschöpfte und übermüdete Mitarbeitende machen mehr Fehler, können schneller verunfallen und halten allenfalls Sicherheitsroutinen weniger konsequent ein. Weisen Sie Ihre Führungskräfte auf diese Gefahren hin, halten Sie unbedingt Pausen sowie die vorgeschriebenen Arbeitszeiten ein und achten Sie auf Anzeichen von Erschöpfung oder Überforderung.
  • Bei stark erhöhter Produktions­kapazität übers normale Mass hinaus können Versorgungs­einrichtungen (Stromversorgung, Kompressoren, Heizkessel usw.) leiden, ebenso Ihre Maschinen. Warten Sie in der Anfahrphase die Anlagen deshalb engmaschig.
  • Machen Sie sich Gedanken, ob sich Ihr Revisionsplan durch die Unterbrechung verschiebt, weil die Betriebs­stunden geringer sind als geplant – oder weil die notwendigen Experten aktuell nicht zur Verfügung stehen.
 

Prävention und Brandschutz

Vergessen Sie Ihre üblichen Präventionsmassnahmen nicht, denn gerade jetzt wäre beispielsweise ein grösserer Brandschaden fatal für Ihr Unternehmen.

  • Haben Sie während des Unterbruchs Sicherheitsanlagen wie Sprinkler und Brandmelder weiterhin gecheckt? Falls nein, sollten Sie dies unbedingt nachholen: Sprinkler­pumpen mit Elektromotoren sollten mindestens 10 Minuten probelaufen, Dieselmotoren sogar 30 Minuten.
  • Mussten Sie Ihre Lagerbestände im Innenbereich aufstocken? Stellen Sie sicher, dass dies die Funktionsfähigkeit Ihrer Feuerschutz­einrichtungen nicht beeinträchtigt. Vermeiden Sie es, Lagergut zwischen Regalreihen zu stapeln.
  • Mussten Sie aufs Aussenlager ausweichen? Achten Sie auf ausreichend Sicherheitsabstand von brennbaren Gütern zum Gebäude.
  • Lassen Sie Ihren Brandschutz­beauftragten einen Rundgang machen und alle Veränderungen dokumentieren. Nehmen Sie alle Brand­schutzroutinen so schnell wie möglich wieder auf.
  • Passen Sie externe Schlüssel- und Öffnungsdienste, welche während der Schliessung sistiert wurden, den aktuellen / normalen Öffnungszeiten an, ebenso die Automatik von Roll- und Schutzgittern. 
 

Learnings ziehen

Nutzen Sie die Chance, gemeinsam im Team aus den Erfahrungen der vergangenen Wochen zu lernen:

  • Was hat gut geklappt? Wo gibt es Verbesserungs­potenzial?
  • Waren Abläufe und Rollen klar definiert, gab es Schnittstellenprobleme?
  • Dokumentieren Sie alle Learnings und arbeiten Sie diese auf.
  • Fragen Sie sich selbst, aber auch Ihre Mitarbeitenden, ob Sie Ideen für Prozessver­besserungen haben – jetzt ist eine gute Gelegenheit, um bestehende Probleme mit frischen Augen anzugehen und allenfalls neue Lösungen zu finden.
 

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