Wetterkapriolen im Klassenzimmer

Mann im Froschkostüm

Wetterkapriolen im Klassenzimmer

Schulkinder für Wetter und Naturgefahren sensibilisieren? Mit dem «Wetterfroscher» gelingt's. Das Unterrichtsprogramm von Zurich Schweiz und Meteotest erfreut sich grosser Beliebtheit. Ein Augenschein in einem Zürcher Klassenzimmer.
Was ist schönes Wetter? Das lässt sich gar nicht einmal so einfach sagen. Lamiel mag es, wenn die Sonne scheint und Joël, wenn es schneit. Nur David bevorzugt schwüle Sommer­abende mit vielen Insekten. Das muss er auch. Denn David steckt in einem Froschkostüm.  

David als «Wetterfroscher»

David, der Frosch, ist längst aus dem Schulalter raus. Er ist 37 und im normalen Leben als Physiker tätig. Doch an diesem Morgen ist er in die Rolle des «Wetterfroschers» geschlüpft, dem Maskottchen des gleichnamigen Unterrichtsprogramms. Während knapp vier Stunden führt er zusammen mit einem Wetterexperten von Meteotest die Kinder der Klasse 5a des Schulhauses Vogtrain in Zürich ins Thema Wetter ein, macht mit ihnen Experimente und steht Rede und Antwort. 

Unterricht zum Thema «Naturgefahren»

Das Unterrichts­modul wurde von Meteotest in Zusammen­arbeit mit Fachleuten der Pädagogischen Hochschule Bern, Geotest und Zurich Schweiz erarbeitet. Seit 2011 gibt es das Angebot. 2012 wurde es mit dem Worlddidac Award ausgezeichnet. Seit 2017 beinhaltet das Unterrichtsprogramm neben dem Wetter auch die Themen Klima und Klimawandel. Mit dem «Wetterfroscher» sind die Unterrichts­inhalte «Wetter» und «Naturgefahren» des Lehrplans der Deutschschweiz vollumfänglich abgedeckt. Ziel ist es, bei Primar­schul­kindern der vierten bis sechsten Klasse auf spielerische Weise das Verständnis für Natur und Umwelt zu fördern. Kann das funktionieren, ohne dass ein Grossteil der Kinder sich schnell zu langweilt beginnt? Es kann.

International ausgezeichnet

Der «Wetterfroscher» ist beliebt. Dies belegt auch eine Umfrage bei den Schülerinnen und Schülern der Klasse 5a. Die zehnjährige Mary beispielsweise findet es toll, dass «wir Schritt für Schritt Neues lernen», Lamiel (11) gefällt der spielerische Ansatz und Robin (10) findet es ganz einfach cool, dass seine Lehrerin überhaupt so etwas organisiert hat. Das Thema Wetter sei nicht nur sehr spannend, sondern eine wichtige Sache, wie er betont.  

100 Klassen pro Jahr

Dank der Unterstützung von Zurich können Schulen den «Wetterfroscher» kostenlos buchen. Davon machen immer mehr Gebrauch. Die Nachfrage stieg in den vergangenen Jahren kontinuierlich. Lange Zeit waren es 30 Schulklassen jährlich, die das Angebot nutzten, dann 60. Inzwischen ist der «Wetterfroscher» jedes Jahr bei 100 Klassen zu Besuch. «Wir können die Nachfrage gar nicht mehr stillen», sagt Marco Hebeisen, Leiter Corporate Responsibility bei Zurich Schweiz.   

Aus 4a wurde 5a

In Geduld üben musste sich auch Denise Graf, die Lehrerin der 5a vom Schulhaus Vogtrain in Zürich. Sie wollte das Thema eigentlich schon im vergangenen Schuljahr mit ihrer Klasse behandeln. Doch auf ihre Anfrage hin teilte man ihr mit, dass sämtliche Einsätze bereits ausgebucht seien. Und dann machte ihr auch noch der Lockdown einen Strich durch die Rechnung. So wurde aus der Klasse 4a die Klasse 5a, bis der Wetterfrosch zu Besuch kam.

Beobachten, experimentieren und erfahren

Für David, den Physiker, ist es bereits der vierte Schuleinsatz, den er als Frosch bestreit. Er findet es eine gute Abwechslung und ihm gefällt, dass sich bei diesem Unterrichtsprogramm auch Lernschwächere gut einbringen können. «Es gibt nicht so ein grosses Leistungsgefälle wie bei anderen Themen oder Fächern», sagt er.

Freiwillige im Einsatz

Nicht immer steckt unter dem Kostüm ein Physiker. Oftmals sind es auch Mitarbeitende von Zurich, die sich freiwillig für einen solchen Einsatz melden. «Das Verkleiden mag nicht jedermanns Sache sein. Doch bislang bekundeten wir noch nie Probleme, genügend Leute für die Einsätze zu finden», sagt Marco Hebeisen und fügt an: «Ein wesentlicher Erfolgs­faktor ist, dass wir ein theoretisches Wissen sehr anschaulich und altersgerecht vermitteln können. Der «Wetterfroscher» ist einfach eine gute Sache.» 

Wetterphänomene verstehen

Mit dem Unterrichts­programm erhalten die Schulklassen eine Box mit diversen Messinstrumenten sowie ein spezielles Unterrichtsheft. Die Kinder lernen nicht nur Thermometer, Barometer und Co. kennen, sondern auch die Wetter­elemente Wasser, Luft, Sonne, Wind, die häufigsten Wetter­phänomene und wie sie entstehen. 

Bau dir deine Wolke

Sie lassen gar selber eine Wolke entstehen. Das ist gar nicht so kompliziert: Man fülle in ein Glas ein wenig heisses Wasser ein, lege einen Plastikbeutel voll mit Eiswürfeln auf die Öffnung des Glases und schon kann man beobachten, wie sich im Innern des Glases eine Mini-Wolke bildet. Die Kinder beobachten im Weiteren das Wetter, erstellen selber eine Wetter­prognose und wissen nach Abschluss des Unterrichts­programms wohl besser als manch ein Erwachsener, welches der Unterschied zwischen Wetter und Klima ist. Bereits ab dem ersten Unterrichts­block kommen zudem auch die Wetterextreme zur Sprache. Der Fokus liegt dabei nicht nur bei den Gefahren und Schäden, die entstehen können. Die Kinder erfahren auch, wie man sich schützen kann.

Schüler verblüffen Experten

Während vier bis sechs Wochen begleitet die Primarschüler das Thema Wetter. Als Einführung steht der Besuch des Wetterfroschs auf dem Programm. Neben David, dem Frosch, ist an jenem Morgen Jamin Hoerni zu Besuch bei der Klasse 5a in Zürich-Höngg. Der Prognostiker von Meteotest steht wöchentlich zwei bis drei Mal vor Schulklassen. Probleme mit den Klassen gebe es eigentlich nie, sagt er. «Wenn wir kommen, herrscht meistens Freude», meint er lachend. 

Wie entsteht ein Blitz?

Jamin Hoerni staunt immer wieder, über welch grosses Wissen die Schülerinnen und Schüler bereits verfügen. Wie Blitze entstehen, will er wissen. Gleich mehrere Schülerinnen und Schüler liefern ihm die korrekte Antwort: Die Reibung zwischen den Eiskristallen und den Wasser­tröpfchen in einer Wolke führt zu einer Spannung, die sich in Form von Blitzen entlädt. Selbst dass das Sonnen­licht gebrochen wird, wenn es auf einen Regen­tropfen trifft und sich dabei in seine farbigen Bestandteile zerlegt und wir dies dann als Regenbogen wahrnehmen, wissen sie bereits.

Von Lava und Radioaktivität

Es gibt Schülerinnen und Schüler, die den Besuch des «Wetterfroschers» nutzen, um ihn mit Fragen einzudecken. Da kann es schon mal vorkommen, dass Jamin Hoerni um eine Antwort verlegen ist. «Neulich wollte ein Schüler von mir wissen, welchen Einfluss Radioaktivität auf das Wetter hat? Ich konnte ihm die Antwort nicht geben. Ich wusste es schlicht nicht», gesteht er.  In einer anderen Klasse wurde er gefragt, ob man das vulkanische Glas Obsidian produzieren könne, wenn man Lava in einen Wasserkübel schüttet? In diesem Fall konnte sich Jamin Hoerni dank einer Onlinerecherche in der Pause aus der Affäre ziehen. Die Antwort: Obsidian entsteht nicht einfach, wenn Lava ins Wasser fliesst. Dafür müssen ganz bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Schulkinder sind manchmal wie das Wetter: einfach unberechenbar.

Weitere Informationen zum Wetterfroscher gibt es auf: wetterfroscher.ch

Naturgefahrenradar – testen Sie Ihr Risiko

Das Unterrichtsprogramm «Wetterfroscher» ist nur eines der Engagements von Zurich im Bereich Nachhaltigkeit. Ein anderes ist der Zurich Naturgefahren-Radar. Mit dem Onlinetool kann jedermann eine kostenlose Standort- und Liegenschafts­analyse für sein Wohnobjekt erstellen. Zudem gibt es konkrete Tipps, wie man seine Immobilie effizient und kostengünstig vor Naturgefahren schützen können. Vielen Gefahren kann man ausweichen, etwa durch die geschickte Wahl eines erhöhten Standortes – oder durch bauliche Massnahmen: Denn jeder Franken, der investiert wird, spart zwischen sechs und zehn Franken an Folgekosten ein. 

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