Matthias Glarner und sein grösster Kampf

Matthias Glarner und sein grösster Kampf

Er war auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Doch Schwingerkönig Matthias Glarner ist tief gefallen – buchstäblich. Seinen Sturz in zwölf Meter Tiefe überlebte er nur knapp. Schwingerkönig Matthias Glarner bestreitet aktuell seinen wohl härtesten Kampf – nach seinem schweren Unfall arbeitet er sich zurück an die Spitze. Er ist überzeugt, dass er auch diese Herausforderung meistern wird.

Hochverdient triumphierte Matthias Glarner im Sommer 2016 am Eidgenössischen Schwingfest und wurde vor über 50‘000 Zuschauern zum Schwingerkönig gekürt. Dies war zweifellos der Höhepunkt in seiner erfolgreichen Karriere. Doch ein Jahr später hat ein Schicksalsschlag sein Leben von Grund auf geändert – bis heute.

Vom Profisportler zum Patienten

Der Meiringer stürzte bei einem Fotoshooting von einer Seilbahngondel über zwölf Meter in die Tiefe. Er überlebte, verletzte sich jedoch schwer am Becken und Sprunggelenk. Dieser Moment machte ihn abrupt vom fitten Profisportler zum schwerverletzten Patienten. Matthias Glarner glaubt nicht ans Schicksal. Sein Leben wusste er schon vorher zu schätzen. Trotzdem sagt er: «Eindrücklich war, dass sich das Leben innert einer Zehntelsekunde komplett verändern kann. Eine kleine Unachtsamkeit reicht und alles steht Kopf.»

Gute Vorsorge war seine Rettung

Zum Glück war Glarner finanziell auf Schicksalsschläge vorbereitet und hat mit den richtigen Versicherungen gut vorgesorgt. «Es lohnt sich, wenn man sich gewisse Fragen früh genug stellt: Was wäre, wenn? Welche Auswirkungen haben tiefgreifende Veränderungen auf mich und mein Umfeld? Rückblickend bin ich sehr froh, dass ich richtig abgesichert war.» Dies gilt umso mehr, weil Glarner im Sommer 2018 – ein Jahr nach dem folgenschweren Sturz – einen Rückschlag im Genesungsprozess erlitten hat.

Trotz Rückschlag zurück an die Spitze

Sein verletzter linker Fuss hielt der hohen Trainingsbelastung nicht stand und musste erneut operiert werden. Für Matthias Glarner war dies kein Grund, mit seiner Situation zu hadern. «Ich habe die Lage so beurteilt, wie sie ist. Die Operation musste sein, damit ich meine hochgesteckten Ziele erreichen kann.» Halt und Zuversicht gibt ihm sein verlässliches Umfeld. Denn ohne die richtigen Leute an seiner Seite hätte er den Weg zurück an die Spitze nicht mehr auf sich genommen.

Kein Platz für Kompromisse

Matthias Glarner will sobald wie möglich wieder im Sägemehl stehen. Dafür durchläuft er eine intensive Reha mit Aufbauphase. «Für Kompromisse hat es keinen Platz. Ich investiere wahnsinnig viel, um meinen Körper wieder aufzubauen. Schliesslich möchte ich auch nach dem Schwingen noch viele Jahre gesundbleiben.» Doch jetzt konzentriert er sich erst einmal voll auf das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest im Sommer in Zug. Hier will er wieder seine volle Leistung zeigen. Dieses Ziel gibt ihm die nötige Energie, um dank akribischer und harter Arbeit das Maximum herauszuholen – den Sieg. «Erfolg ist planbar und mein Hunger ist riesig. Ich bin überzeugt: Mein Weg als aktiver Schwinger ist noch nicht zu Ende.».

Matthias Glarner in Kürze

Der 33-jährige Berner Oberländer ist Mitglied des Schwingklubs Meiringen und hat in seiner Karriere mehr als 100 Kränze gesammelt, drei davon an Eidgenössischen Festen.   
Neben dem Schwingen absolvierte Glarner eine Ausbildung zum Polymechaniker, ehe er an der Universität Bern den Bachelor- und Masterstudiengang in Sportwissenschaft und Geschichte abschloss.  
Nach einer mehrjährigen Tätigkeit als Turn- und Sportlehrer arbeitet er aktuell neben dem Schwingen noch 60 bis 80 Prozent als Personalbetreuer bei den Bergbahnen Meiringen Hasliberg.