Biken? Aber sicher!

Biken? Aber sicher!

Sich aufs Mountainbike zu schwingen, einer atemberaubenden Landschaft hinzugeben und dabei etwas Fahrtwind und Adrenalin zu spüren – das weckt Glücksgefühle! Doch ganz ohne Risiko ist dieser Fahrspass nicht. Daniel Schefer, Gründer der Swiss Bike School, zeigt Ihnen, worauf es ankommt und was Sie selbst zu Ihrer Sicherheit beitragen können.
Mountainbiken ist voll im Trend. Allerdings hat das weniger mit Rad­fahren in den Bergen zu tun, als man denkt. «Der Mountainbike-­Sport findet hauptsächlich in Um­gebungen von Städten statt», erklärt Schefer, «nur 20 Prozent gehen in alpine Gegenden». Beim Mountain­bike handelt es sich um ein gelände­gängiges, gefedertes Bike, mit dem viele gerne von zuhause aus eine schöne Runde fahren. «Den Alltag hinter sich lassen. Weg von Abgasen und Verkehrslärm – darum geht es hauptsächlich beim Mountain­biken», erläutert Schefer. «In die Berge geht man eher für ein verlängertes Wochen­ende oder in den Ferien».

Mountainbiken braucht Balance, Kraft und Ausdauer

Doch egal, ob vor der Haustüre oder im Gebirge – Mountain­biken ist auf alle Fälle ein anspruchsvoller Sport. Damit ein Biker sicher unterwegs ist, braucht er eine gute Balance und muss viel Ausdauer haben. Ausserdem gehören Geschick und etwas Mut dazu. «Es ist wichtig, dass Anfänger zuerst auf steinigen Wald­pfaden und kiesigen Feld­wegen üben und sich erst danach auf andere Terrains begeben», meint Schefer. Er bietet Bike­kurse auf verschiedenen Niveaus an (siehe Infobox). «Beim Mountainbiken wird es nie langweilig – es gibt immer wieder neue Fahr­techniken und Wege zum Ausprobieren».

Welches Bike ist das richtige?

Die Auswahl an Mountainbikes ist gross: Je nachdem, ob man gerne bequem den Berg hochradelt oder lieber eine steile Abfahrt geniesst, empfiehlt sich ein anderes Bike. Das Freizeit-­Mountainbike eignet sich für einfache Touren und hat Vorteile für die Stadt. Das Cross Country ist eher etwas für Sportliche, die sich mit hohem Tempo durch die Gegend wagen. Wer hingegen von Alpen­überquer­ungen träumt, ist mit einem All Mountain am besten bedient. Abfahrten geniesst man am besten mit dem Enduro oder einem Freeride/­Downhill. Deshalb sollte man sich zunächst überlegen, was man mit dem Bike anstellen will. Anschliessend lohnt sich eine gründliche Beratung vom Fachmann. Einsteiger werden wahrscheinlich am ehesten mit einem Allrounder glücklich.

Übrigens gibt es noch das E-Bike: Der eingebaute Motor erlaubt dem Fahrer, seine sportlichen Aktivitäten selbst zu regulieren. So kann man relativ einfach einen Berg hochfahren und nachher die Abfahrt geniessen. «E-Bikes boomen, vor allem bei Geschäftsleuten, die wenig Zeit haben. Oder bei Paaren, die nicht die gleiche Ausdauer haben», teilt Schefer mit. «So kann eine gemeinsame Ausfahrt genossen werden, ohne dass die Fitness der einzelnen Person eine grosse Rolle spielt».

Ausrüstung: das richtige Outfit

Mountainbiken ist nicht ganz ungefährlich. Deshalb spielt die Ausrüstung eine wichtige Rolle. «Das A und O beim Biken ist der Helm», erklärt Schefer. Er muss optimal sitzen, ausserdem sind Bikerhosen, -shirt und -jacke sowie Hand­schuhe äusserst empfehlens­wert. Wer länger unterwegs ist, sollte auch eine Trinkflasche und eine Sonnen­brille dabeihaben. Und wenn das Wetter nicht genau vorhersagbar ist, sind Armlinge und Beinlinge ideale Begleiter. Sie schützen vor der morgendlichen Frische und der abendlichen Kälte, trotzdem wird es bei einem Anstieg nicht zu warm. Speziell in den Bergen kann es auch kalt werden, daher muss die Kleidung warm und wasserdicht sein.

Tipp

Wenn Sie sportlich und schnell (Downhill, Cross-Country oder Freeride) unterwegs sind, dann sollten Sie auch Knie, Schienbeine, Ellenbogen und Unterarme schützen. Beim Downhillen und Freeriden empfiehlt sich zudem ein Rücken- und Thoraxschutz. 

Pannen

Ein Platten, eine verbogene Felge oder eine defekte Bremse – beim Fahr­radfahren sind Pannen schnell passiert. Deshalb ist es gut, eine Luftpumpe, Ersatz­schlauch und Minitools dabeizuhaben und zu wissen, wie man einen Schlauch wechselt. «Ein platter Reifen ist in zehn Minuten geflickt», meint Schefer, «und das hat man auch schnell gelernt». Er empfiehlt einen Reparatur­kurs, zum Beispiel bei einem Velohändler. Schwieriger wird es, wenn zum Beispiel die Bremsscheibe verbogen ist, das Pedal­gewinde ausreisst, Speichen brechen oder auch der Ersatz­schlauch platzt. Wer keine Lust hat, sein Bike auf Biegen und Brechen zu reparieren, Schläuche zu verknoten oder den Reifen mit Heu und Gras auszustopfen, ist mit einem 24h-­Pannenservice am besten bedient. Dieser lässt sich bei der Versicherung optional mit einer Bikeversicherung abschliessen. 

Wie sind mein Bike und mein Salto versichert?

Wie bin ich geschützt, wenn ich einen Unfall baue oder mir jemand das Bike klaut? Wird das Bike daheim gestohlen, kommt die Grund­versicherung der Hausrat­versicherung dafür auf. Ein ent­sprechendes Zusatzmodul braucht es hingegen, um das abgeschlossene Bike auch vor Diebstahl unterwegs zu schützen. Wer sein Bike zusätzlich gegen Beschädigungen absichern will, sollte eine umfassende Vollkasko­versicherung abschliessen, also eine spezielle Bike­versicherung. Sie kommt vor allem bei Unfällen zum Einsatz: zum Beispiel dann, wenn das Bike bei einem Aufprall gegen einen Felsen beschädigt wird. Sie lohnt sich besonders für wertvolle Räder.

Und was, wenn nicht nur das Bike, sondern auch der Fahrer Blessuren erleidet? Grundsätzlich zahlt die Unfall­versicherung für Verletzungen beim Mountain­biking. Doch das entbindet die Biker nicht von ihrer Eigen­ver­antwortung: Wer beispielsweise mit übermässig hohem Tempo, bei sehr ungünstigen Wetterbedingungen oder mit kaputten Bremsen die Berge herabdonnert, muss mit Leistungskürzungen rechnen.

Wer beim Fahren einen Salto macht, sich um die eigene Achse dreht, die Hände vom Lenker oder die Füsse von den Pedalen nimmt, ist gemäss SUVA ein relatives Wagnis eingegangen – und deshalb nicht voll versichert. Auch Bike-Experte Daniel Schefer warnt vor waghalsigen Experimenten auf dem Bike. Vor allem solle man keine Stunts nachmachen, die man auf YouTube gesehen hat. «YouTube vermittelt ein falsches Bild: Man sieht immer nur, was alles funktioniert hat. Das sind jedoch Profis», mahnt Schefer. «Wer akrobatische Kunststücke lernen möchte, sollte unter professioneller Aufsicht in einem Skillspark üben».

Das kleine ABC Ihrer Sicherheit beim Mountainbiken

  • Apotheke
    Bringen Sie im Rucksack eine Notfallapotheke mit: im Minimum einen Verband und Wundcreme für allfällige Stürze.
  • Begleitung
    Wenn Sie an abgelegene Orte oder ins alpine Gebirge fahren, sollten Sie immer zu zweit unterwegs sein. Nicht vergessen: Oft hat man keinen Natelempfang.   
  • Coolness
    Bleiben Sie cool, wenn Sie Fussgängern oder Pferden begegnen. Bremsen Sie niemals abrupt, machen Sie sich bemerkbar und überholen Sie behutsam.
  • Drähte
    Achtung: Sobald Pfähle neben dem Weg vorhanden sind, könnte ein schlecht erkennbarer Kuhdraht über den Weg gespannt sein. 
  • Einstellungen
    Lassen Sie das Mountainbike regelmässig überprüfen und vom Mechaniker warten. Wenn das Bike nicht betriebssicher ist, müssen Sie im Schadenfall mit Leistungskürzungen rechnen. 
  • Federung
    Die richtige Federung ist für das Mountainbike sehr wichtig: Sie kann Überschläge verhindern, dämpft Schläge auf die Gelenke und erleichtert das Fahren.
  • Gelände
    Gelände können gefährlich sein. Besondere Vorsicht ist bei Abhängen und am Bachufer geboten: Bei Unsicherheit sollten Sie absteigen und zu Fuss gehen.

 

Und fahren Sie nicht los ohne:

  • Helm, Handschuhe und Handy
    Tragen Sie immer einen gut sitzenden Helm und Handschuhe.
    Für Notfälle muss das Handy dabei sein. Tauschen Sie Kontakte mit den anderen Teilnehmern aus und speichern Sie Notfallnummern. 

Interview mit Daniel Schefer, Swiss Bike School

Daniel Schefer
Der Rennfahrer Daniel Schefer war in seinen frühen Jahren ein Spitzensportler. Als er 23 Jahre alt war, musste er nach einer schweren Knieverletzung mit dem extremen Leistungs­sport aufhören. Lange hat er in der Versicherungs­branche gearbeitet, bis er nach rund 20 Jahren beschloss, seinen Traum zu verwirklichen: Gemeinsam mit seiner Frau und unterstützt von seinen Kindern, gründete er die Swiss Bike School. An mehr als 20 Standorten in der Schweiz erhalten die Biker nun im Anschluss an seine Kurse die Licence to bike®. Zudem bietet Schefer auch Touren auf der ganzen Welt an, zum Beispiel in Italien, Kroatien, Marokko, Südafrika oder Neuseeland. 

Drei Fragen an Daniel Schefer:

Wir lernen doch schon von klein auf Radfahren: wozu die Bike-Schule?
In den Schulen lernt man Velofahren, das stimmt. Allerdings steht dort das Verhalten im Verkehr im Vordergrund. In unseren Kursen geht es um den technisch anspruchsvollen Sport Mountain­biken an sich: Die Teilnehmer lernen, ihr Gewicht sinnvoll zu verlagern, richtig zu bremsen, sicher eine Treppe herunterzufahren, eine Voll­bremsung auf dem Kies hinzulegen und Hinder­nisse zu überspringen. Die Kurse sind aufbauend – für unsichere Anfänger, die gerade ein Bike gekauft haben, bis zu Bikern, die immer wieder gerne Neues lernen. Übrigens: Es gibt auch Kurse für Frauen mit weniger Leistungs­druck und mehr Gesprächen über Mode­accessoires (lacht). 

«Licence to bike»: Braucht man eine Lizenz zum Fahren?
Nach dem Kurs bekommen die Teilnehmer ein Zertifikat mit einer «Licence to bike». Das ist aber kein offizielles Zertifikat, sondern vielmehr ein persönlicher Leistungsausweis. Darüber hinaus bietet die Swiss Bike School Kurse an, um Bike-Lehrer zu werden.

Haben Sie noch einen Tipp für Mountainbiker? 
Nutzen Sie das Bike, um immer wieder Neues zu entdecken. Ich selbst habe zum Beispiel keine Lieblings­tour und keinen Lieblings­ferienort, sondern breche immer wieder auf, um neue Wege, Gebiete und Kulturen kennen­zulernen. Letzten Winter war ich zum Beispiel drei Monate in Neuseeland. Meine Empfehlung: Fahren Sie nicht alleine, vor allem nicht ins hoch­alpine Gebirge und in Täler ohne Natel-Empfang wie zum Beispiel im hintersten Engadin. Sollten Sie doch einmal alleine unterwegs sein, dann nehmen Sie unbedingt die notwendigen technischen Hilfsmittel mit. Verbinden Sie das GPS mit Ihrem Natel und stellen Sie die Alarm­funktion ein, damit bei einem Unfall über das GPS ein Alarm ausgelöst wird. Dennoch: Zu zweit ist es nicht nur sicherer, sondern es macht auch mehr Spass. 

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