- Keine 10-Millionen-Schweiz: Worum geht es?
- Wie entwickelt sich die Schweiz demografisch bis 2050?
- Die drei Szenarien des Bundesamtes für Statistik
- Anteil Älterer wird markant steigen
- Weniger Erwerbstätige – mehr Pensionierte
- Überalterung und Generationenvertrag: Was sind die Folgen?
- Betagte Schweiz: Wie wird sie aussehen?
- Empfehlungen für die persönliche Vorsorge
Keine 10-Millionen-Schweiz: Worum geht es?
Im Juni 2026 stimmt die Schweizer Bevölkerung über die Volksinitiative «Keine 10-Millionen-Schweiz» ab. Diese fordert, dass die Schweizer Wohnbevölkerung bis 2050 gesetzlich auf 10 Millionen Menschen begrenzt werden soll. Wird die Abstimmung angenommen, müsste ab 9,5 Millionen die Zuwanderung begrenzt werden.
Wie entwickelt sich die Schweiz demografisch bis 2050?
Unabhängig von der aktuellen politischen Diskussion: Mit welcher demografischen Entwicklung ist in den kommenden knapp 25 Jahren zu rechnen? Und was bedeuten die Trends für die individuelle Vorsorgesituation von uns allen?
Die drei Szenarien des Bundesamtes für Statistik
Laut den neuesten Szenarien des Bundesamtes für Statistik von 2025 für das Bevölkerungswachstum wird es – ohne weitreichende politische Eingriffe – bis 2050 voraussichtlich zwischen 9,32 und 11,34 Millionen Menschen in der Schweiz geben, das wahrscheinlichste Szenario geht von 10,32 Millionen Menschen aus. Die Szenarien hängen vor allem von drei Faktoren ab: Geburtenentwicklung, Lebenserwartung und Zuwanderung.
Demografischer Wandel: Durchschnittsalter steigt
Auf Basis des Referenzszenarios ist bereits jetzt klar, dass sich die Altersstruktur der Bevölkerung in der Schweiz stark verändern wird. Statt der klassischen «Bevölkerungspyramide» mit vielen Jungen und wenigen Alten befinden sich die bevölkerungsstärkten Jahrgänge zunehmend im mittleren oder fortgeschrittenen Alter.
Ab 2035 gibt es mehr Todesfälle als Geburten
Das Referenzszenario geht davon aus, dass ab 2035 in der Schweiz mehr Menschen sterben als geboren werden – durch die zunehmend ältere Bevölkerung und durch niedrige Geburtenraten. Konkret wird im Referenzszenario erwartet, dass es im Jahr 2055 rund 89’000 Geburten gibt, denen 107’000 Todesfälle gegenüberstehen.
Die Zuwanderung lässt nach – steigende Konkurrenz um Talente
Gleichzeitig wird erwartet, dass nach wie vor mehr Menschen in die Schweiz einwandern als auswandern (positiver Wanderungssaldo). Dieser Trend wird sich allerdings, so die Prognose des statistischen Bundesamtes, abschwächen. Denn auch in vielen anderen europäischen Gesellschaften altert die Bevölkerung. Daraus entsteht im europäischen Arbeitsmarkt eine steigende Konkurrenz um junge Arbeitskräfte. Deshalb erwartet das Statistische Bundesamt langfristig nur einen jährlichen «Wanderungssaldo» (Zahl der Zuwandernden minus Zahl der Auswandernden) von 45’000 Personen pro Jahr.

Anteil Älterer wird markant steigen
Auf jeden Fall wird der Anteil der älteren Menschen markant steigen, so das Bundesamt für Statistik: «Die Altersgruppe der über 64-Jährigen wird in allen Szenarien im Verhältnis zu Menschen im erwerbsfähigen Alter ein immer grösseres Gewicht haben.» Bei den jungen Altersgruppen – also Kindern und Jugendlichen unter 20 Jahren – gibt es hingegen deutliche Unterschiede zwischen den Szenarien, abhängig von den Faktoren Geburtenrate und Zuwanderung: Je mehr Geburten und je mehr Zuwanderung, desto mehr Kinder wird es geben – denn die Zuwandernden sind meistens junge Erwachsene.
Weniger Erwerbstätige – mehr Pensionierte
Gleichzeitig wird sich der Altersquotient erhöhen. Dieser beschreibt das Verhältnis von Personen im Rentenalter (65+) zu Personen im Erwerbsalter (20 bis 64). Von 2025 bis 2050 dürfte sich das Verhältnis von 33 zu 100 auf 43.3 zu 100 verschieben.
Das bedeutet: Heute müssen 3 Erwerbstätige 1 Rentner finanzieren, bis Mitte des Jahrhunderts wird das Verhältnis voraussichtlich annähernd 2 zu 1 sein.

Überalterung und Generationenvertrag: Was sind die Folgen?
Wenn immer weniger Junge immer mehr Ältere finanzieren müssen, ist das eine Herausforderung insbesondere für die staatliche Altersvorsorge, denn diese basiert auf dem Umlageverfahren: Alle zahlen in den gleichen Topf ein, aus dem dann unmittelbar die Renten finanziert werden. In der beruflichen und in der privaten Altersvorsorge ist das Problem weniger markant, denn hier spart jeder und jede prinzipiell für sich selbst. Dies ist vor allem wichtig, weil bei einer steigenden Lebenserwartung das Geld fürs Alter auch länger reichen muss.
Betagte Schweiz: Wie wird sie aussehen?
Wenn der Anteil älterer Menschen an der Gesamtbevölkerung weiter zunimmt und diese gleichzeitig deutlich älter werden, steigt der Druck auf die Erwerbstätigen und auf die Sozialsysteme. Ein wachsender Anteil älterer Menschen bedeutet mehr Bedarf an medizinischer Versorgung und Pflege mit den entsprechenden Fachkräften. Die alternde Bevölkerung ist dabei zunehmend auf eine speziell ausgerichtete Infrastruktur angewiesen, z.B. barrierefreie Wohnungen. Möglicherweise sinkt aufgrund fehlender junger Mitarbeitender die Innovationsfähigkeit und es gibt weniger Fortschritt und Veränderungen. Dies könnte mittelfristig auch die ökonomische Position der Schweiz gefährden.
Empfehlungen für die persönliche Vorsorge
Unabhängig davon, wie die Abstimmung im Juni 2026 entschieden wird, empfiehlt es sich für alle Menschen in der Schweiz, sich auf die demografischen Herausforderungen einzustellen. Das gilt insbesondere für die persönliche Vorsorge:
- Private Vorsorge: Die staatliche und betriebliche Vorsorge allein können schon heute nur etwa 60% des aktuellen Lebensstandards decken. Es braucht also eine private Vorsorge, um die Einkommenslücke zu schliessen. Dies dürfte künftig noch deutlich wichtiger werden.
- Frühzeitig sparen: Wer früh mit dem Aufbau der privaten Altersvorsorge startet, kann umso mehr vom Zinseszinseffekt profitieren und macht entsprechend mehr aus seinem Geld.
- Regelmässige Vorsorgeanalyse: Eine individuelle Vorsorgeberatung ist gerade in Zeiten der Veränderung wertvoll – und zwar in allen Lebensphasen. Junge Menschen können so die Weichen für ihre persönliche Vorsorge richtig stellen. Bei prägenden Lebensereignissen wie Hauskauf oder Familiengründung lassen sich mithilfe einer guten Beratung mögliche Vorsorgelücken schliessen. Und im Hinblick auf die Pensionierung ist eine Pensionsplanung sinnvoll, um auch in der dritten Lebensphase finanzielle Freiheit zu geniessen.
Fazit: Wer sich jetzt kümmert, bleibt auch in Zukunft unabhängig und finanziell abgesichert.
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Eine fundierte Planung der persönlichen Altersvorsorge ist heute so notwendig wie vielleicht noch nie. Denn es ist klar, dass die demografische Entwicklung uns vor grosse Herausforderungen stellt. Umso wichtiger ist es, individuell vorzusorgen und seine Zukunft selbst zu gestalten. Denn je mehr Optionen man hat, desto besser kann man auf Veränderungen reagieren.
Expertenkommentar von Peter Spycher, Spezialist für Vorsorge und Anlageberatung bei Zurich Schweiz:
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