«Elektroautos brennen nicht häufiger als konventionelle Fahrzeuge»

Feuerwehr im Einsatz

«Elektroautos brennen nicht häufiger als konventionelle Fahrzeuge»

Dr. Jan Bauke, Experte von Schutz & Rettung Zürich, nimmt im Interview Stellung zu den Brandrisiken von Elektrofahrzeugen – und gibt Tipps, wie man sich schützen kann.

Immer wieder gibt es Schlagzeilen über brennende Batterien von Elektroautos: Sind diese tatsächlich brandgefährdeter als Benziner?

Nein, das sind sie nicht. Bevor ein Elektro­fahrzeug auf den Markt kommt, müssen die Hersteller punkto Brand­schutz strenge Auflagen erfüllen, sonst erhält es keine Zulassung. Nach unserer Erfahrung brennen Elektro­fahrzeuge vergleichbar häufig wie Autos mit konventionellem Antrieb. Im Rahmen einer Studie haben wir die Brand­eigenschaften eines Elektroautos im Tunnel beobachtet – auch hier haben wir kein höheres Gefährdungs­potenzial festgestellt.

Der Experte: Jan Bauke

Jan Bauke Portraet
Dr. Jan Bauke ist Ausbildungs­chef von Feuerwehr & Zivilschutz bei Schutz & Rettung Zürich und stellvertretender Bereichsleiter. Vom Werdegang her ist er Theologe. Über seine Tätigkeit bei der freiwilligen Feuerwehr kam er zur Berufsfeuer­wehr und arbeitet dort bereits seit über zwei Jahrzehnten.

Wie genau entsteht der Brand einer Autobatterie?

Es gibt drei mögliche Ursachen:

  1. Erstens kann die Batterie durch einen Schlag oder Aufprall beschädigt werden, etwa bei einem Unfall. Dabei können die Membrane in einer Batterie­zelle kaputtgehen, sodass in der Zelle eine ungewollte chemische Reaktion beginnt. Wird dieser Prozess nicht gestoppt, kann eine Zelle die nächste «anstecken» und so eine Kettenreaktion auslösen. Dieses Phänomen nennt sich «Thermal Overrun». Es führt zu einer Überhitzung und schliesslich zum Brand.
  2. Zweitens könnte die Batterie einen Produktions­fehler haben, wie bei den bekannten brennenden Handys.
  3. Dritte Variante: Wenn das Auto ohnehin brennt, brennt irgendwann auch die Batterie. Theoretisch könnte es auch zu einer Überladung an der Ladestation kommen, falls der Ladeschutz versagt. Aus der Praxis ist mir kein Fall bekannt, in dem das passiert wäre. Insgesamt ist es relativ unwahrscheinlich, dass eine Batterie anfängt zu brennen. Sie ist auch so eingebaut, dass sie sich möglichst am sichersten Ort des Fahrzeugs befindet. Was allerdings wirklich gefährlich ist: Wenn eine Tiefgarage bei Hoch­wasser überschwemmt wird und dort ein Auto an der Ladestation hängt. Denn dann haben wir so etwas wie einen riesigen Föhn in einer riesigen Bade­wanne. Es kann zu tödlichen Stromstössen kommen.

Was muss ich als Lenker eines Elektrofahrzeugs bei Unfällen beachten?

Als Lenkerin oder Lenker eines Elektroautos gelten für Sie die ganz normalen Spiel­regeln wie bei jedem anderen Fahrzeug auch: Steigen Sie mit der nötigen Vorsicht aus, sichern Sie die Unfall­stelle und wählen Sie den Notruf – 117 für die Polizei oder 118 für die Feuerwehr. Falls der Unfall auf einer Autobahn passiert, stellen Sie sich hinter die Leit­planken und ziehen Sie, wenn möglich, eine Warnweste an. Falls Ihr Auto Rauch entwickelt, sollten Sie ebenfalls zügig an den rechten Strassen­rand fahren und Ihr Auto mit Abstand zu allem brennbaren Material abstellen. Sie brauchen keine Angst zu haben, an Ihrem Elektro­auto einen Stromschlag zu bekommen. Die Fahrzeuge sind so konstruiert, dass sie auch nach einem Unfall nicht gefährlich sind. Bitte fassen Sie aber keine herum­liegenden Teile an, vor allem nicht, wenn sie orangefarbig sind. Denn diese könnten stromführend sein.

Wie werden brennende Elektroautos gelöscht – was ist anders als bei Benzinern?

Wenn ein Elektro­auto wirklich brennt, löschen wir ganz konventionell mit Wasser. Falls das Batterie­paket den Brand verursacht hat, kommen wir allerdings meistens nicht ins Innere der Batterie. Vor einigen Jahren wurden einige Elektro­fahrzeuge mit einem sogenannten «Fireman Access» gebaut, um die Batterie fluten zu können. Die Boliden der Formel E haben das noch. Mit ausreichend Wasser können wir den Thermal Overrun aber auch von aussen eindämmen. Ob die Batterie dann ganz entladen ist, wissen wir nicht – und daher können die Autos auch später durchaus noch einmal anfangen zu brennen. Deshalb haben die grossen Abschleppfirmen in der Schweiz Container angeschafft, in denen Elektroautos deponiert werden können. Im Container wird das Fahrzeug mit Sensoren oder Wärmebild­kameras überwacht, bis es sicher entsorgt werden kann. 

Was kann ich als Besitzer/Fahrer eines Elektrofahrzeugs tun, um Bränden vorzubeugen?

Wenn Ihr Auto einen heftigen Aufprall hatte, sollten Sie es in den Service geben und das Batterie­paket prüfen lassen. Denn es ist nicht auszu­schliessen, dass etwas beschädigt wurde, das früher oder später einen Brand auslösen könnte, zum Beispiel beim nächsten Lade­prozess. Ansonsten empfehle ich Ihnen, der Technik – wie bei allen Fahrzeugen – mit einem gesunden Respekt zu begegnen. Angst haben brauchen Sie aber nicht. 

Die besten Tipps für hohe Leistung und lange Laufzeiten

Ein verlässlicher Akku ist gerade beim Elektroauto Gold wert. Die besten Tipps für hohe Leistung und lange Laufzeiten.

  1. Reichweite nie ausreizen
    Wer den Akku komplett leerfährt, riskiert, dass die Kapazität dauerhaft abnimmt und so die Reichweite sinkt.
  2. Akku vor Kälte schützen
    Dein Akku ist kein Wintersportler – Frosttemperaturen führen zu einer dauerhaft reduzierten Leistung und bei kalten Temperaturen dauert auch das Laden länger. Stellen Sie deshalb im Winter Ihr Fahrzeug, wenn immer möglich, ins Warme.
  3. Akku vor Hitze schützen
    Genauso schädlich wie Frost sind hohe Temperaturen: Stellen Sie Ihr Elektrofahrzeug möglichst nicht in der prallen Sonne ab. 

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