Elektroautos: Lohnt sich der Umstieg?

Elektroautos: Lohnt sich der Umstieg?

Elektro­motoren gelten als Antriebs­form der Zukunft – doch bislang haben sie sich nicht auf breiter Front durch­gesetzt. Kommt jetzt die Wende? Die wichtigsten Pro- und Contra-­Argumente.
2018 waren erst 2 Prozent aller Personen­wagen auf Schweizer Strassen Elektro-­ oder Hybrid­fahrzeuge. Einen reinen Elektro­antrieb hatten gerade einmal 0,4 Prozent. Doch bei den Neuzu­lassungen im März 2019 hat sich das Blatt gewendet. Erstmalig war ein Elektro­auto das meistverkaufte Fahrzeug – der neue Tesla Model 3.

Welches Auto hat die Nase vorn?

Ist das die Trend­wende, die Fach­leute seit Langem erwarten? Lohnt sich der Umstieg nun für breitere Be­völkerungs­schichten? Welche Argumente sprechen für die Elektro­autos und in welchen Situationen haben die Benziner oder Diesel­wagen die Nase vorn? Hier finden Sie die wichtigsten Antworten im Wettstreit zwischen konventionellen Autos und Elektro­fahrzeugen.

1. Stichwort Umweltbilanz

Der Verkehr verursacht in der Schweiz ein Drittel des jährlichen Energie­verbrauchs. 96 Prozent der CO2-­Emissionen entstehen dabei laut Bundes­amt für Strassen ASTRA durch fossile Treib­stoffe, die von Nutz­fahr­zeugen und Personen­wagen verbraucht werden. Elektro­autos hingegen stossen kein CO2 aus. Sind sie also generell umwelt­freundlicher?

Vorteile bei der Betriebsphase
An dieser Frage scheiden sich die Geister: Unbe­stritten ist, dass Elektro­autos während der Betriebs­phase das Klima weniger belasten. Dies gilt insbesondere, wenn sie mit Öko­strom betrieben werden. Ohnehin ist der Strommix in der Schweiz relativ umwelt­freundlich. Laut Bundes­amt für Energie stammen aktuell 62 Prozent des Stroms aus erneuerbarer Energie, zumeist Wasserkraft. Ausserdem ist der Wirkungs­grad bei Elektro­fahrzeugen massiv höher als bei Autos, die mit Benzin oder Diesel fahren.

Nachteile bei Produktion und Entsorgung
Allerdings ist die Herstellung der Auto­batterien energie­aufwändig und oft auch umwelt­belastend. Für Skeptiker ist dies ein gewichtiges Gegen­argument. Ein Vergleich der Auto-­Umwelt­liste berück­sichtigt deshalb neben der Betriebs­phase auch Umwelt­schäden, welche bei der Produktion der Elektro­batterien anfallen (www.autoumweltliste.ch). Das vom VCS betriebene Portal kommt zu dem Schluss, dass sich die Energie­bilanz zwischen den Modellen deutlich unterscheiden kann. Gleichwohl nehmen die Elektro­autos meistens die vorderen Ränge in ihrer je­weiligen Fahrzeug­klasse ein. Unklar ist noch, wie umwelt­belastend die Ent­sorgung der Auto­batterien sein wird und welche Möglich­keiten der Wieder­verwendung es gibt. Deshalb lässt sich die Umwelt­bilanz noch nicht abschliessend beurteilen.

Fazit: Da noch nicht aus­reichend Informationen vorliegen, steht es im Wett­kampf 0:0 – noch. Denn für Hersteller und Kunden ist die Umwelt­bilanz das dominierende Thema. Hier sind grosse Anstrengungen zu erwarten, um die Umwelt­belastung bei Produktion und Entsorgung der Batterien zu reduzieren.

2. Stichwort Lärm

Elektro­autos verursachen keine Abgase, das weiss jeder. Weniger bekannt ist, dass Elektro­autos im Stadt­verkehr auch leiser sind als konventionelle Fahr­zeuge. Sie werden sogar teils künstlich mit Geräuschen versehen, um andere Verkehrs­teilnehmer zu warnen. In einer Welt der Elektro­mobilität könnten Menschen an vielbe­fahrenen Strassen besser schlafen, die Lebensqualität in den Städten würde dadurch steigen. Aber: Leise Fahrzeuge bergen auch ein Risik­opotenzial, weil sich viele Menschen im Strassen­verkehr auch auf ihre Ohren verlassen.

Fazit: Dieser Punkt geht an die Elektroautos: 0:1.

3. Stichwort Flexibilität

Schon mehr als 3‘500 Elektro­tankstellen gibt es in der Schweiz. Aller­dings sind nur wenige von ihnen «Schnell­ladestationen», welche die Fahr­zeuge in 30 bis 60 Minuten aufladen. Bei den anderen dauert die Lade­zeit in der Regel mehrere Stunden. Deshalb sind bislang die konventionell betriebenen Autos in puncto Flexi­bilität eindeutig stärker. Doch die Elektro­fahrzeuge holen auf: Ende Januar 2019 gab es bereits 24 Schnell­ladestationen an Auto­bahnrast­stätten, viele weitere sind in Planung. Angedacht ist darüber hinaus, auch auf einigen der 100 Schweizer Rastplätze eine Schnell­ladestation einzurichten. Verschiedene Apps bieten eine Übersicht und erleichtern es, die nächste Lade­station in der Nähe zu finden.

Fazit: In puncto Flexi­bilität haben die konventionellen Fahr­zeuge noch eindeutig die Nase vorn. Der Spiel­stand ist 1:1.

4. Stichwort Reichweite

Mit einer Tank­füllung von Zürich nach Köln, von Genf nach Paris, von Lugano nach Florenz – mit benzin- oder diesel­betriebenen Autos ist das normaler­weise kein Problem, sie haben in der Regel auf Fern­strecken Reich­weiten ab 500 Kilometer. Für Elektro­autos hingegen wurde der Begriff der «Reich­weite­nangst» geprägt. Wie weit man mit einem Elektro­fahrzeug kommt, hängt unter anderem von Fahr­weise, Beladung und Aussen­temperatur ab. Die bei Auto­tests erzielten Reich­weiten sind dabei oft deutlich niedriger als die vom Hersteller angegebenen Werte unter Ideal­bedingungen. Wer haupt­sächlich im Stadt­verkehr unterwegs ist, dem können diese Fragen relativ egal sein. Doch auch diese Menschen müssen heute noch im Elektroauto ihr Fahr­verhalten stärker vorausplanen als die Fahrer eines Autos mit konven­tionellem Antrieb. In naher Zukunft wird sich die Thematik vermutlich entspannen, durch ein dichteres Netz von schnellen Lade­stationen sowie weiter­entwickelte Batterien mit deutlich höherer Reichweite.

Fazit: 2:1 – noch geht dieser Punkt klar an Benziner und Diesel­fahrzeuge.

5. Stichwort staatliche Förderung

Der Kanton Thurgau subventioniert seit 2019 den Kauf von Elektro­autos mit 4‘000 Franken, sofern sie mit Öko­strom fahren. In St. Gallen gibt es 5‘000 Franken und in Basel können Taxi­fahrer sogar eine Subvention von 10‘000 Franken einstreichen. Darüber hinaus gibt es in 15 Schweizer Kantonen Vorteile für Elektroautos bei der Verkehrs­abgabe, im Kanton Zürich etwa fällt diese sogar weg. Übrigens: Auch Zurich als Versicherer fördert die Elektro­mobilität mit deutlich günstigeren Prämien gegenüber vergleichbaren Fahr­zeugen mit konventionellem Antrieb.

Fazit: Die Elektro­autos holen auf, Gleichstand mit 2:2.

6. Stichwort Kosten

Der Anschaffungs­preis für Elektro­fahrzeuge ist spürbar höher als derjenige eines klassischen Benziners oder Diesels. Dafür sind die Tank­kosten günstiger, was sich über die Lebens­dauer des Fahrzeugs vor allem für Vielfahrer bezahlt machen dürfte. Wie lang­lebig Elektro­autos sind und mit welchen Reparatur­kosten über den Lebens­zyklus zu rechnen ist, dafür gibt es noch nicht ausreichend Daten. Zu vermuten ist, dass bei Repara­turen für das Nischen­produkt zumindest in den kommenden Jahren noch mit höheren Kosten zu rechnen sein wird.

Fazit: Dieser Punkt geht wieder an die konven­tionellen Autos: Spielstand 3:2.

7. Stichwort Innovation und Coolness

Welches Auto gilt als cooler? Diese Frage lässt sich eindeutig beantworten: Die Erfolgs­story Tesla beweist, dass Elektro­autos mit einem grossen Coolness-Faktor punkten. Sie gelten als innovativ, trendig und umwelt­bewusst – und ihre Fahrerinnen und Fahrer gleich mit. Das beste Tesla Model 3 hat beein­druckende 490 PS, verfügt über modernste Fahr­assistenz­systeme und ist für künftiges autonomes Fahren vorkonfiguriert. Wer seine Nachbarn neidisch machen will, hat aktuell mit einem Elektro­auto die besten Chancen.

Endergebnis: Gleichstand im Wettstreit der Argumente mit 3:3. Doch schon in zwei, drei Jahren werden voraus­sichtlich die Elektro­autos den Sieg davontragen.

Prognose: Die Wende ist nah

Die klein­räumige Schweiz ist prädestiniert für Elektro­mobilität. Spätestens, wenn die Anschaffungspreise fallen und die Reich­weite keine «Angst» mehr auslöst, sind Elektroautos auch für den Durch­schnittslenker eine gute Alternative. Gleichwohl wird es noch etwas dauern, bis Elektro­autos einen spürbaren Anteil im Strassen­verkehr erreicht haben – denn im Schnitt dauert es 20 Jahre, bis sich der gesamte Bestand einmal erneuert hat.

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