Elektroautos: Lohnt sich der Umstieg?

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Elektroautos: Lohnt sich der Umstieg?

Elektromotoren gelten als Antriebsform der Zukunft – bereits jetzt ist bald jeder dritte neue Personenwagen ein «Steckerfahrzeug». Ist das die Wende? Die wichtigsten Pro- und Contra-Argumente.
Elektroautos sind auf dem Vormarsch: Im Jahr 2021 wurden erstmals 30’000 rein elektrisch betriebene Fahr­zeuge neu zugelassen, das sind über 60% mehr als im Vorjahr. 2020 waren 28,1% aller neuen Fahr­zeuge «Stecker­fahrzeuge», also Elektro- und Hybridautos. Und 8,3%  der Neuwagen waren reine Elektoautos.

Welches Auto hat die Nase vorn?

Ist das die Trend­wende, die Fach­leute seit Langem erwarten? Lohnt sich der Umstieg nun für breitere Be­völkerungs­schichten? Welche Argumente sprechen für die Elektro­autos und in welchen Situationen haben die Benziner oder Diesel­wagen die Nase vorn? Hier finden Sie die wichtigsten Antworten im Wettstreit zwischen konventionellen Autos und Elektro­fahrzeugen.

1. Stichwort Umweltbilanz

Der Verkehr verursacht in der Schweiz ein Drittel des jährlichen Energie­verbrauchs. 96% der CO2-­Emissionen entstehen dabei laut Bundes­amt für Strassen ASTRA durch fossile Treib­stoffe, die von Nutz­fahr­zeugen und Personen­wagen verbraucht werden. Elektro­autos hingegen stossen kein CO2 aus. Sind sie also generell umwelt­freundlicher?

Vorteile bei der Betriebsphase
An dieser Frage scheiden sich die Geister: Unbe­stritten ist, dass Elektro­autos während der Betriebs­phase das Klima weniger belasten. Dies gilt insbesondere, wenn sie mit Öko­strom betrieben werden. Ohnehin ist der Strommix in der Schweiz relativ umwelt­freundlich. Laut Bundes­amt für Energie stammen aktuell 62% des Stroms aus erneuerbarer Energie, zumeist Wasserkraft. Ausserdem ist der Wirkungs­grad bei Elektro­fahrzeugen massiv höher als bei Autos, die mit Benzin oder Diesel fahren.

Nachteile bei Produktion und Entsorgung
Allerdings ist die Herstellung der Auto­batterien energie­aufwändig und oft auch umwelt­belastend. Für Skeptiker ist dies ein gewichtiges Gegen­argument. Ein Vergleich der Auto-­Umwelt­liste berück­sichtigt deshalb neben der Betriebs­phase auch Umwelt­schäden, welche bei der Produktion der Elektro­batterien anfallen (www.autoumweltliste.ch). Das vom VCS betriebene Portal kommt zu dem Schluss, dass sich die Energie­bilanz zwischen den Modellen deutlich unterscheiden kann. Gleichwohl nehmen die Elektroautos meistens die vorderen Ränge in ihrer jeweiligen Fahrzeug­klasse ein. Die Hersteller arbeiten an verbesserten Konzepten für eine weniger umwelt­belastende Entsorgung der Autobatterien. In vielen Fällen kann einer funktions­tüchtigen Batterie ein zweites Leben geschenkt werden, etwa als Aggregator zur Beleuchtung von Fussball­plätzen. Entsprechend lässt sich die Umweltbilanz noch nicht abschliessend beurteilen.

Fazit: Da noch nicht ausreichend Informationen vorliegen, steht es im Wettkampf 0:0 – noch. Denn für Hersteller und Kunden ist die Umwelt­bilanz das dominierende Thema. Hier sind bei beiden Antriebs­formen grosse Anstrengungen zu erwarten, um die Umwelt­belastung bei Produktion und Ent­sorgung zu reduzieren.

2. Stichwort Lärm

Elektro­autos verursachen keine Abgase, das weiss jeder. Sie werden sogar teils künstlich mit Geräuschen versehen, um andere Verkehrs­teilnehmer zu warnen. In einer Welt der Elektro­mobilität könnten Menschen an vielbe­fahrenen Strassen besser schlafen, die Lebensqualität in den Städten würde dadurch steigen. Aber: Leise Fahrzeuge bergen auch ein Risik­opotenzial, weil sich viele Menschen im Strassen­verkehr auch auf ihre Ohren verlassen.

Fazit: Dieser Punkt geht an die Elektroautos: 1:0.

3. Stichwort Flexibilität

Schon mehr als 7‘200 Elektrotankstellen gibt es in der Schweiz. Und es kommen ständig neue dazu. Z Volt, die neue LadeApp von Zurich, bietet Zugang zu allen Lade­stationen in der Schweiz und in Europa. An allen Stationen unserer Partnern Green Motion (evpass) und GOFAST, gibt es sogar einen Einheits­preis ohne versteckte Kosten. Dieses Angebot gilt für insgesamt ca. 2‘300 Lade­stationen in der Schweiz. An den Schnell­ladestationen dauert das Strom­tanken nicht viel länger als einen Espresso zu trinken.  Die Benziner hingegen können auf ein seit Jahrzehnten bewährtes Tankstellennetz zurückgreifen. Deshalb geht dieser Punkt an beide Antriebsformen: Der Spielstand ist 2:1

4. Stichwort Reichweite

Mit einer Tank­füllung von Zürich nach Köln, von Genf nach Paris, von Lugano nach Florenz – mit benzin- oder diesel­betriebenen Autos ist das normaler­weise kein Problem, sie haben in der Regel auf Fern­strecken Reich­weiten ab 500 Kilometer. Für Elektro­autos hingegen wurde der Begriff der «Reich­weite­nangst» geprägt. Wie weit man mit einem Elektro­fahrzeug kommt, hängt unter anderem von Fahr­weise, Beladung und Aussen­temperatur ab. Die bei Auto­tests erzielten Reich­weiten sind dabei oft deutlich niedriger als die vom Hersteller angegebenen Werte unter Ideal­bedingungen. Wer haupt­sächlich im Stadt­verkehr unterwegs ist, dem können diese Fragen relativ egal sein. Doch es tut sich einiges punkto Reichweite, das immer dichtere Netz an Schnell­ladestationen und die stark verbesserte Ladege­schwindigkeit entschärfen die Problematik. Voraussichtlich werden sich die Ladezeiten weiter verkürzen.

Gleichwohl: Noch geht dieser Punkt an Benziner und Diesel­fahrzeuge – 2:2.

5. Stichwort Kosten

Der Anschaffungs­preis für Elektro­fahrzeuge ist aktuell noch höher als derjenige eines klassischen Benziners oder Diesels. Dafür sind die Tank­kosten günstiger, was sich über die Lebens­dauer des Fahrzeugs vor allem für Vielfahrer bezahlt machen dürfte. Wie lang­lebig Elektro­autos sind und mit welchen Reparatur­kosten über den Lebens­zyklus zu rechnen ist, dafür gibt es noch nicht ausreichend Daten. Zu vermuten ist, dass für das Nischen­produkt bei Reparaturen, beim Abschleppen oder bei Bränden zumindest in den kommenden Jahren noch mit höheren Kosten zu rechnen sein wird.

Fazit: Dieser Punkt geht wieder an die konven­tionellen Autos: Spielstand 2:3.

6. Stichwort Innovation und Coolness

Welches Auto ist am coolsten? Diese Frage muss jede und jeder für sich selbst beantworten. Doch die Erfolgs­story Tesla beweist, dass Elektroautos als innovativ, trendig und umwelt­bewusst gelten – und ihre Fahrerinnen und Fahrer gleich mit. Wer seine Nachbarn neidisch machen will, hat also aktuell mit einem Elektro­auto die besseren Chancen. Deshalb geht der Punkt klar an die Elektrofahrzeuge.

Endergebnis: Gleichstand im Wettstreit der Argumente mit 3:3. Doch schon in zwei, drei Jahren werden voraus­sichtlich die Elektro­autos den Sieg davontragen. Schliesslich lancieren alle grossen Hersteller neue Elektromodelle, viele weitere sind in Planung.

Prognose: Die Wende ist nah – oder schon da

Die klein­räumige Schweiz ist prädestiniert für Elektro­mobilität. Spätestens, wenn die Anschaffungspreise fallen und die Reich­weite keine «Angst» mehr auslöst, sind Elektroautos auch für den Durch­schnittslenker eine gute Alternative. Gleichwohl wird es noch etwas dauern, bis Elektro­autos einen grösseren Anteil im Strassen­verkehr erreicht haben – denn im Schnitt dauert es 20 Jahre, bis sich der gesamte Bestand einmal erneuert hat.

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