Hochwasser

HOCHWASSER

BEDEUTENDSTE NATURGEFAHR

Heftig und lang andauernde Niederschläge lassen Gewässer übertreten. Verdichtetes Bauen in Ufernähe führt dazu, dass Hochwasser hierzulande die grössten Schäden anrichtet.

Starke Fluten können verheerend sein. Das zeigen die jüngsten Beispiele aus dem Jahre 2014 im Emmental und Tessin. Wegen äusserst intensiver Regenfälle stieg der Pegel der Emme in kürzester Zeit auf Rekordhöhe und verwandelte den sonst ruhig dahinplätschernden Bach in einen reissenden Fluss – die Schäden gingen in die Millionen. Im Tessin traten derweil der Lago di Lugano und der Lago Maggiore über die Ufer. Betriebe, Geschäfte und Kliniken mussten evakuiert werden. Das führte zu kostspieligen Betriebsunterbrechungen.

Die sozio-ökonomische Entwicklung und die damit einhergehende intensive Bautätigkeit haben zu einer massiven Zunahme der Schadenpotenziale geführt. Seit 1985 ist Kulturland von der zehnfachen Fläche des Zürichsees verschwunden, jede Sekunde wird rund ein Quadratmeter Land zugebaut. Vielerorts bleibt als einzige Möglichkeit zum Bauen nur das flache, weite Auenland: Das ist potenzielles Überschwemmungsgebiet. Untersuchungen zeigen, dass sich auch Spitäler, Altersheime, Schulen und viele andere hochsensible Gebäude in solchen Gefahrenzonen befinden.

Die Bautätigkeit geht ungebremst weiter. Dadurch nehmen die Siedlungsdichte und die Konzentration von Sachwerten entlang der Gewässer weiter zu. Kommt es heute zu Überschwemmungen, können mehr Menschen verletzt werden; gleichzeitig steigen die Schadensummen. Oft erhöht die Bautätigkeit selbst die Gefahr: Denn auf Beton und Asphalt kann das Wasser nicht versickern, es fliesst direkt ab und füllt Bäche und Flüsse. Der Klimawandel verschärft diese Dynamik zusätzlich: Extremereignisse dürften zunehmen – die Gewitter heftiger werden. Zwei mögliche Szenarien: Im Winter können höhere Niederschlagssummen bei gleichzeitigem Anstieg der Schneefallgrenze häufiger zu Hochwasser führen; im Frühling ist dies wegen der Überlagerung von starken Niederschlägen und der grossflächigen Schneeschmelze der Fall.

Die Quellen der wichtigsten Flüsse Europas liegen in unseren Alpen – deshalb gilt die Schweiz als das Wasserschloss Europas. Unsere Alpen funktionieren dabei als eine Art Wolkenfänger: Weht der Wind von West bis Nord, staut sich feuchte Atlantikluft an den Gebirgszügen und regnet über der Alpennordseite aus. Bläst es indes aus südlicher Richtung, prallt Luft vom Mittelmeer an die Alpenkämme. Es regnet dann besonders heftig in den südlichen Alpen des Wallis bis nach Südbünden und ins Tessin hinein.

Ausgerechnet die Sonnenstube Tessin gehört zu jenen Gebieten, in denen es am intensivsten regnet. In den Tälern der Alpennordseite und im Mittelland sieht es anders aus: Fast alle Fliessgewässer sind hier kanalisiert. Zudem sind praktisch alle Auenlandschaften trockengelegt: Das Berner Seeland und viele flache Talböden sind Beispiele hierfür. Doch Auen bleiben Auen. Wenn bei starken Niederschlägen die Flüsse nicht mehr alles Regen- oder Schmelzwasser fassen können, holen sie sich ihr ursprüngliches Land – das natürliche Überschwemmungsgebiet – zurück.

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