Teilzeit und Vorsorge

Teilzeit und Vorsorge

Kinder oder Karriere? Heute ist beides möglich - die Welt ist viel flexibler geworden und Teilzeit ist weit verbreitet. Ein reduziertes Arbeitspensum kann bedeuten, dass Sie im Alter schlecht abgesichert sind – muss es aber nicht. Fünf Tipps für einen besseren Schutz.

Vorbei sind die Zeiten, als sich ein Teilzeitjob automatisch als Karrierefalle entpuppte. Viele Arbeitgeber sind deutlich flexibler geworden, und in manchen Unternehmen ist ein reduziertes Pensum sogar in Führungspositionen möglich. Derzeit arbeiten in der Schweiz drei von fünf Frauen und immerhin einer von fünf Männern in Teilzeit. Kinder sind ein wichtiger Grund, um das Pensum zu reduzieren. Weitere Motive sind Fortbildungen oder ein zweites Standbein über eine berufliche Selbstständigkeit.

Berufliche Vorsorge: auf Vollzeit ausgerichtet

Was vielen Teilzeitkräften jedoch nicht bewusst ist: Es drohen ihnen empfindliche Lücken in der beruflichen Vorsorge. Diese stammt im Kern aus den 70er- bzw. 80er-Jahren, als eine Vollzeiterwerbstätigkeit der Standard war. Diese fünf Tipps sollten Teilzeitarbeitende beachten, damit sie im Alter nicht buchstäblich «alt aussehen»: 

  1. Prüfen Sie Ihren versicherten Lohn.

    Um den versicherten Lohnanteil zu ermitteln, wird üblicherweise der sogenannte Koordinationsabzug vorgenommen, in Höhe von gegenwärtig 24’885 Schweizer Franken. Übrig bleibt der versicherte Lohn, der sich auf die Höhe der Pensionskassenbeiträge auswirkt. Glücklich schätzen können sich Arbeitnehmer, deren Pensionskasse den Koordinationsabzug für Teilzeitangestellte reduziert, zum Beispiel im Verhältnis zum Pensum. So ergibt sich ein höherer versicherter Lohn. Entsprechend steigt auch das Altersguthaben schneller an. Wer sich für einen Teilzeitjob bewirbt, sollte also unbedingt einen kritischen Blick in das Pensionskassenreglement seines potenziellen Arbeitgebers werfen – oder direkt nachfragen. 
  2. Lassen Sie sich beraten, um Lücken frühzeitig zu schliessen.

    Ein Vorsorgespezialist kann Ihnen Ihren Vorsorgeausweis im Detail erklären und aufzeigen, mit welchen Leistungen aus der Pensionskasse Sie im Alter oder auch bei krankheitsbedingter Invalidität rechnen dürfen. Haben sich bei diesen Analysen Vorsorgelücken ergeben, kann Ihr Berater Ihnen Empfehlungen dazu geben, wie sich diese Lücken verkleinern oder gänzlich schliessen lassen – sei es in der zweiten oder auch in der dritten Säule.
  3. Fragen Sie Ihren Arbeitgeber.

    Fortschrittliche Pensionskassen bieten ihren Versicherten zusätzliche Optionen an, um die berufliche Vorsorge individuell an die persönliche Lebenssituation anzupassen, beispielsweise mit einem erweiterten Sparplan. Auch ein steuerlich vorteilhafter Einkauf in die Pensionskasse kann für Teilzeitarbeitende interessant sein. Manche Pensionskassen bieten älteren Arbeitnehmern an, auch bei reduziertem Pensum weiterhin volle Beiträge zu leisten. Klären Sie mit Ihrem Arbeitgeber, welche Möglichkeiten es gibt.
  4. Nutzen Sie die Chancen der privaten Vorsorge.

    Nicht vergessen: Auch die private Vorsorge in der dritten Säule ist ein wichtiges und flexibles Instrument, um Vorsorgelücken zu schliessen. Laut einer aktuellen Studie von Credit Suisse zahlt nur die Hälfte der Arbeitnehmer überhaupt in die dritte Säule ein – und davon leistet lediglich ein Drittel den vollen Beitrag in Höhe von aktuell 6’826 Schweizer Franken. Im Schnitt aller Erwerbstätigen werden 2’870 Schweizer Franken eingezahlt. 

    Gerade für Teilzeitkräfte ist die dritte Säule wichtig, um Vorsorgelücken im Alter auszugleichen. Die Säule 3a bietet auch Möglichkeiten, das Alterssparen mit Risikoschutz zu kombinieren. Falls Sie ein 3a-Konto wählen, können Sie flexibel einzahlen und sich bis Dezember entscheiden, wie viel Geld Sie im jeweiligen Jahr für die private Vorsorge auf die Seite legen möchten. Neben dem klassischen Banksparen, das heutzutage kaum mehr Zinsen einbringt, gibt es weitere Möglichkeiten, beispielsweise ein 3a-Konto mit Depot und Anlage in entsprechende aktive und passive bzw. indexbasierte Wertschriftenfonds.
  5. Vergessen Sie die Säule 3b nicht.

    Haben Sie die Säule 3a bereits ausgeschöpft, wollen aber noch mehr vorsorgen, oder suchen Sie mehr Flexibilität, zum Beispiel bei der Anlageform? Dann kann die freie Vorsorge über die Säule 3b für Sie eine interessante Option sein. Dabei handelt es sich um eine Lebensversicherung mit Risikoschutz. Zum Beispiel können Sie Ihre Familie oder Nahestehende absichern, und gleichzeitig erwirtschaftet Ihr Kapital Erträge. Sie haben die Wahl, ob Sie regelmässig Beiträge zahlen oder eine höhere einmalige Einlage leisten möchten. 

Übrigens: Vorsorge ist kein Thema, mit dem man sich einmal beschäftigt und das man dann für die nächsten 30 Jahre vergessen kann. Sobald sich Ihr Leben ändert – zum Beispiel durch berufliche Entwicklung, Heirat, Geburt oder Hausbau – lohnt es sich, die Situation anzuschauen und allenfalls die Lösungen anzupassen.

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